Halloween und Karneval – Gegensätze ziehen sich an

Halloween Pumpkins

Im Bus lassen höfliche Zombies zickigen Prinzessinnen den Vortritt. Feuerwerkskracher zischen durch die Nacht. Kinder befinden sich im Zuckerrausch. Es ist Halloween in Vancouver.

Halloween ist der zweitgrößte Feiertag Nordamerikas, nur Weihnachten bringt mehr Umsatz. Seinen Ursprung hat das Fest in der keltischen Tradition. Zu Samhain (im keltischen Kalender die Zeit zwischen den Jahren), sollte der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Geister am dünnsten sein. In der Hoffnung, umtriebige Geister zu vertreiben, kostümierte man sich und zündete Feuer. Als die Kelten christianisiert wurden, koppelte die Kirche dieses heidnische Fest an Allerheiligen (eng. All Hallow’s Eve). Fortan galt der Tag mehr dem memento mori, als der Schattenjagt und man schlug nicht mehr den Geistern, sondern seinem Nachbarn ein Schnippchen.

Irische Einwanderer brachten das Fest in die USA, von wo es sich auch nach Kanada ausbreitete. Da das ursprüngliche Halloween-Spektakel mit schaurigen Kostümen und diebischen Streichen dem Nordamerika der Nachkriegszeit nicht familienfreundlich genug war, wurde kurzerhand ein Karneval mit kalkulierbarem Gruselfaktor daraus. Tatsächlich gleichen die Kostüme heute häufig denen eines Rosenmontagsumzugs, und die Grenzen zwischen Karneval und Halloween scheinen zu verschwimmen. So erfreuen sich auch schaurige Halloweenkostüme zu Karneval immer größerer Beliebtheit.

Der Urprung des Karnevals in Deutschland könnte dabei gegensätzlicher nicht sein. Hier soll vor der von den Katholiken begangenen Fastenzeit noch einmal richtig die Sau rausgelassen werden. Zur fünften Jahreszeit regieren die Narren, und die nehmen bekanntlich kein Blatt vor den Mund. Das öffentliche Anprangern von Regierung und Gesellschaftsstruktur ist ein fester Bestandteil des Karnevals.

Karnevalsumzug in Deutschland

Heute darf man zu Halloween dem Nachbarn zwar nicht mehr die Scheune abbrennen, dafür wird die Maskerade aber immer mehr für öffentliche Gesellschaftskritik genutzt. So veröffentlichte der u.a. The New Yorker einen Artikel mit Tipps für ein gelungenes Trump-Kostüm.

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Trump Perücke in einem Vancouver Halloween Geschäft

Damit war meine, als totes Cheerleader verkleidete, Gastschwester während meines Schüleraustausches in den USA 2005/2006 ganz auf der Spur. Zumindest war von da an klipp und klar, was sie von der Hierarchie in der Schule hielt.

Wie schon so oft zuvor, durchgeht Halloween heute erneut eine Metamorphose. Wenn auch das spirituelle Brauchtum längst seine Bedeutung verloren hat, so bleibt doch die Freude an der Maskerade. Und ist das Verkehren der gesellschaftlichen Ordnung im Spiel nicht vielleicht die Geisteraustreibung des rationalistischen Zeitalters?

Trudeau vs. Merkel: Wieviel Twitter braucht die Politik? Zur Bundestagswahl 2017

Angela Merkel and Justin Trudeau

Deutschland steht kurz vor der Bundestagswahl 2017 und Angela Merkel kämpft um ihre Stellung. Dabei könnte ihr ihre betont professionelle Haltung zum Verhängnis werden. Zu unnahbar sei die ‘Mutter Deutschlands’, so der Spiegel1. Es sei „fast unmöglich geworden, hinter der Kanzlerfassade noch den echten Menschen zu erkennen“. Privates preiszugeben, schätze die Kanzlerin nicht und Plaudertaschen kündige sie ganz einfach die Freundschaft. Sachlichkeit ist ihr Markenzeichen, aber es ist heute vielleicht kein vorteilhaftes mehr. weiterlesen

Happy Labour Day! (deutsch)

Protestor gets arrested on Labour Day, Hamburg, Germany.

Happy Labour Day – in Kanada feiern wir heute Tag der Arbeit. Viele Menschen kommen gerade aus einem entspannten langen Wochenende zurück, an welchem man traditionell in den Zelturlaub fährt. Das Einzige, was heute hier in Vancouver Stau verursacht, ist eine Karawane aus Campingwägen, die sich zurück in die Stadt ergießt.

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Campen ist eine Labour-Day-Tradition in Kanada

Das ist für mich als Deutsche doch etwas Besonderes. Denn am Tag der Arbeit im Zentrum Hamburgs zu wohnen, ist das genaue Gegenteil von einem beschaulichen Feiertag. Am 1. Mai befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand und als Anwohner stellt man sich auf Polizeisirenen, brennende Autos, fliegende Ziegelsteine und gesperrte Bahnhöfe ein. Stau gibt es da auch, nur leider auf Grund von Straßensperrungen. weiterlesen

Kanadisch für Anfänger, eh?

Patriotic Blenz Coffee advertisement in Vancouver

Die Entscheidung nach Kanada zu ziehen fiel spontan. Gerade mit der Uni fertig und noch kein Job in Sicht, dafür über beide Ohren verliebt in diesen Typen aus dem Urlaub – alles war möglich und nichts zu verlieren. Also packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg in eine neue Heimat. Bedenken gab es dabei keine, schließlich hatte ich bereits in den USA gelebt und trug auf meinem Rucksack Aufnäher aus über 30 Ländern – Trophäen eines typischen Mittzwanziger-Lebens. Kanada ist Pillepalle, dem war ich mir sicher. Und dann kam wie gewöhnlich alles anders. weiterlesen

10 Dinge, die ihr kostenlos in Vancouver unternehmen könnt (und die Einheimische tatsächlich empfehlen)

Vancouver Skyline with fireworks

Der moderne Reisende will abseits der Touristenpfade wandern. Das ultimative Ziel ist es, für kurze Zeit ein Bürger der jeweiligen Stadt zu werden. Deshalb bucht man ein Airbnb, kauft eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel und speist im Imbiss um die Ecke. Warum solltest man also nun in puncto Sehenswürdigkeiten einen Kompromiss eingehen? weiterlesen

Danke, Fahrer!

A bus in Vancouver.

Pling, die Bustür öffnet sich an einer beliebigen Haltestelle in Vancouver. „Danke“, „Vielen Dank, Fahrer!“, ertönen Stimmen mal sonor, mal schrill über die Sitzreihen hinweg. Nur wenige Fahrgäste verlassen den Bus, ohne sich noch einmal in Richtung Fahrersitz umzudrehen. weiterlesen

Gemeinwohl – zwei Wege, ein Ziel / Deutsch

Street art in Vancouver

Volunteering (zu Deutsch: Freiwilligenarbeit leisten) gehört in Kanada einfach dazu. Rund die Hälfte aller Kanadier spendet ihre Zeit einem guten Zweck, unter den Deutschen sind es gerade mal ein Viertel. Freiwillige unterstützen das Pflegepersonal in Krankenhäusern, üben mit Schulkindern Lesen und säubern Parks. Sie geben am Flughafen verirrten Touristen Auskunft, weisen Theaterbesucher an ihre Plätze, organisieren Spendenaktionen für die Krebsforschung und verteilen Butterbrote an Obdachlose. Sie opfern hunderte Stunden ihrer Freizeit, um die Heimat zu einem besseren Ort zu machen. In vielerlei Hinsicht sind Freiwillige der Motor der kanadischen Gesellschaft. Ohne sie wäre Kanada ein anderes; ohne kulturelles Angebot und einlandende öffentliche Räume, mit mehr Armut und einer schlechteren Grundversorgung. weiterlesen

The World needs more Canada

Merchandise for Canada 150.

Heute ist Canada Day, 150. Geburtstag feiert das Land. Dieses Jubiläum ist für viele Kanadier ein besonderer Grund zum Feiern. Deshalb befindet sich die Vermarktung des Ahornblatts auf rot-weißem Grund derzeit auf dem Zenit, ist aber auch sonst alltäglich. Der bekannteste Hamburger der Welt trägt ein Ahornblatt zwischen den zwei goldenen Bögen seines Logos, eine Lebensversicherung wirbt mit Produkten auserlesen für ‘stolze Kanadier’ und der Leitslogan einer Buchhandelskette proklamiert ‘The World needs more Canada’. Anlässlich des Geburtstags hat ebendiese dann auch gleich ein Buch mit gleichnamigem Titel herausgegeben. In diesem erzählen namenhafte Kanadier, was ihr Land so großartig macht. Der Ursprung dieses Slogans ist übrigens hoch offiziell: Die Regierung benutze ihn in den neunziger Jahren um Touristen ins Land zu locken. Heute ist er Verkaufsschlager – vom Wandbild bis zum Strandhandtuch, kein Wunsch bleibt offen. weiterlesen