Happy Labour Day! (deutsch)

Happy Labour Day – in Kanada feiern wir heute Tag der Arbeit. Viele Menschen kommen gerade aus einem entspannten langen Wochenende zurück, an welchem man traditionell in den Zelturlaub fährt. Das Einzige, was heute hier in Vancouver Stau verursacht, ist eine Karawane aus Campingwägen, die sich zurück in die Stadt ergießt.

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Campen ist eine Labour-Day-Tradition in Kanada

Das ist für mich als Deutsche doch etwas Besonderes. Denn am Tag der Arbeit im Zentrum Hamburgs zu wohnen, ist das genaue Gegenteil von einem beschaulichen Feiertag. Am 1. Mai befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand und als Anwohner stellt man sich auf Polizeisirenen, brennende Autos, fliegende Ziegelsteine und gesperrte Bahnhöfe ein. Stau gibt es da auch, nur leider auf Grund von Straßensperrungen.–>

Tatsächlich wird das Thema Arbeitnehmerrechte in Kanada und Deutschland sehr unterschiedlich wahrgenommen. Wenn ich meine kanadischen Freunde frage, ob sie sich gerne für besserer Arbeitnehmerrechte einsetzten würden, bekomme ich als Antwort meist einen fragenden Blick. ‘Uns geht es doch gut!’, heißt es dann, ‘Wir bekommen unsere Überstunden bezahlt und zwei Wochen Urlaub im Jahr.’ Auf die Anfrage, ob sie von ihrem Arbeitgeber nicht mehr Urlaub einfordern sollten, bekomme ich nicht selten erwidert, dass Arbeitgeber es sich einfach nicht leisten könnten, mehr Urlaub zu geben. Hier zeigt sich, dass Perspektive wieder einmal alles ist. Während man sich in Deutschland auf vier Wochen gesetzlichen Jahresurlaub freuen kann, bei Krankheitsausfall sein Gehalt weiter ausbezahlt bekommt und ein Gesetz sogar Tageslicht am Arbeitsplatz garantiert (alles Dinge, die in Nordamerika keinesfalls selbstverständlich sind), wird bei uns demonstriert was das Zeug hält. Als Deutsche oder Deutscher wird man quasi mit dem latent unguten Gefühl geboren, dass der Arbeitgeber einem etwas unterschlägt.

Davon abgesehen, dass Linksradikale den Tag der Arbeit als Gelegenheiten nutzen, um alles kurz und klein schlagen, haben friedliche 1. Mai Kundgebungen eine wichtige Funktion. Denn mit den traditionellen Demonstrationen für mehr Arbeitnehmerrechte erinnern wir uns auch daran, dass die Generationen vor uns (insbesondere auch die unserer Großeltern) für unseren heutigen sozialen Wohlstand gekämpft haben. Wir besinnen uns darauf, dass die Arbeitnehmer das Rückgrat unserer Gesellschaft sind und ihr Wohlergehen das Fundament unseres gesellschaftlichen Reichtums ist.

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1. Mai Kundgebung in Deutschland (1947)

Trotzdem können wir Deutschen von den Kanadiern eine Lektion in Sachen Zufriedenheit lernen. Manchmal tut es gut, sich auf das zu besinnen, was man hat, und nicht auf das, was man nicht hat. Immer nur nörgeln macht einen nur unglücklich. Im Gegenzug können die Kandier von uns lernen, auch mal unzufrieden zu sein und auf die Barrikaden zu gehen – denn mit vier Wochen Mindesturlaub könnte man sich noch öfter im Campingurlaub entspannen.

Titelbild: Hamburger Polizisten bei einer Festnahme am 1. Mai

Bilder: Pixabay, WikiCommons

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